• Steven Mc Auley

Zwei einfache Recruiting-Tools. Keine Künstliche Intelligenz notwendig, nur menschliche.

Aktualisiert: 23. Feb 2020

"Wir finden einfach keine Leute!"



Unlogische Jobbeschreibungen überfliegen, Formulare ausfüllen, fiktive Aufsätze schreiben (Anschreiben), vier Wochen und länger auf eine Rückmeldungen warten - so sieht der Bewerbungsprozess heute oft aus. Weiter geht’s mit undurchsichtigen Auswahlverfahren, schleppendem Onboarding, und 40-Seiten-Arbeitsverträgen.


An jeder Ecke wird fehlendes Personal bemängelt, gleichzeitig gestalten Unternehmen den Bewerbungsprozess maximal nervig und möglichst umständlich.


Anstatt offline durch Coworking-Cafés, Meetups und soziale Initiativen ein offenes und innovatives Image zu präsentieren, werden online Millionen durch Stellenanzeigen, Masken und Software verschwendet.

„Post and Pray“, sagt LinkedIn-Manager Christian Byza bei meinem Besuch in Mountain View, „funktioniert schon lange nicht mehr. Das haben in Deutschland viele noch nicht gecheckt.”

Es gibt hunderte Beispiele und Anwendungen, wie euer Unternehmen es besser machen kann. Die einfachsten zwei Lösungen bekommt ihr jetzt:


Video-Botschaften als Stellenanzeige via LinkedIn

Niemand liest mehr Stellenanzeigen. Oder anders gesagt: Wer Stellenanzeigen gerne liest, den wollt ihr nicht im Team haben.

Als Thomas Gottschalk beim BR eine Stelle als Radiomoderator antreten wollte, sollte er vorher ein Formular für die Bewerbung ausfüllen. Was hat er gemacht? Er hat das Formular durchgestrichen und druntergeschrieben:


„Man merkt, dass ihr eure Radiomoderatoren mit einem Formular ausgewählt habt.“


Was will ich damit sagen? Intelligente Agenten werden alle Aufgaben übernehmen, die gerade von Menschen ausgeführt werden, die gerne Formulare lesen - und ausfüllen. Ihr sucht Mitarbeiter, die kritisch denken, menschliche Bedürfnisse verstehen und Ideen weiterentwickeln und skalieren können.


Zudem entscheiden wir uns nicht für einen Job. Menschen entscheiden sich für einen Chef. Für ein Team. Für Menschen, die aus dem gleichen Grund morgens aufzustehen. Für Menschen, von denen man was lernen kann. Auch dieses Gefühl bekomme ich selten in einem Formular vermittelt.


2014 habe ich mich gegen ein hochkarätiges Angebot als Projektmanager in einem Digitalisierungsprojekt bei der AXA in Köln entschieden und bin zu dem spezialisierten Personaldienstleister KRONGAARD nach München gegangen. Der Hauptgrund? Die beiden KRONGAARD Gründer haben sich vor ein iPhone gesetzt und erzählt, warum sie die Firma gegründet haben. Sie haben darüber gesprochen, was sie in ihrer Freizeit gerne machen. Und wie sie sich ihre Firma in Zukunft vorstellen. Ich hab das gesehen und wollte sofort mitmachen.


Online Tool

Spart euch das Geld für teure Stellenanzeigen. Die Mitarbeiter, die ihr haben wollt, sind auf LinkedIn. Setzt euch vor euer Smartphone und erzählt in zwei Minuten, wann und warum es ein Vorteil ist, in eurem Team mitzuarbeiten. Dr. Max Von der Planitz, VP Corporate Strategy & Development bei der #OttoGroup, zeigt wie einfach das ist. Wirkt er angespannt? Klar. Aber gerade das macht ihn sympathisch. Man möchte sich sofort mit ihm auf einen Kaffee treffen und über datengetriebene Unternehmensstrategien sprechen (ich zumindest).


Ablauf

Nachdenken: Für wen ist meine Stelle interessant? Was will derjenige erreichen? Was kann ich ihm hier bieten?Vor das Smartphone setzen und losplaudern (ein Take, keine Fake-Takes. Das merkt jeder sofort)Direkt posten und schnell auf Nachrichten antworten (Antworten kann auch jemand aus dem Team übernehmen)


Offline Tool

Wenn alle großen Unternehmen „AI first“ sein wollen, lautet die richtige Frage nicht: „Wie können wir das auch sein?“, sondern “was ist second”?

Alle gucken auf den ersten Platz und keiner kümmert sich um den zweiten Platz. Wenn online der erste Platz von Google, Amazon und Alibaba besetzt ist, macht es sinn zu schauen was dahinter passiert, sich auf den zweiten Platz als Ziel zu konzentrieren.


Alle schreien online nach Aufmerksamkeit und wollen dadurch Bewerber anziehen. Deshalb solltet ihr jetzt “secound” gehen und offline echte Beziehungen aufbauen. Wie? Einfacher und schneller als Meetups bei sich in den Büroräumen zu hosten, geht es nicht. Falls euer Büro zu klein ist, seid ihr ab jetzt Essens- & Getränkesponsor von bestehenden Meetups.

Wenn sich jemand nach 10 Stunden Arbeit zu einem Meetup an einen Ort schleppt, den er meist nicht kennt, um Menschen zu treffen, die ihm fremd sind, einfach nur, weil er sich weiterentwickeln will - dann ist das genau der Mitarbeiter, den ihr braucht.


In München hat unser Meetup mittlerweile über 1000 Mitglieder, die sich damit beschäftigen, wie man Produkte baut, die menschliche Bedürfnisse erfüllen (Design Thinking). Inzwischen haben auch DAX30-Konzerne erkannt, dass Meetup-Besucher eine hochinteressante Zielgruppe sind. Egal ob als Firmen-Botschafter, Kunde oder Mitarbeiter. Heute ist Google unser Partner - sie stellen Räume, Essen und Trinken - for free. Ohne Bedingungen.


Ablauf

Auf Meetup.com gehen und nach Themen suchen, die zukunftsentscheidend für euer Unternehmen sein können (Blockchain, KI, UX, Future of Retail, hier findet ihr alles).Den Meetup-Veranstalter anschreiben, dass ihr das Thema interessant findet und gerne das nächste Meetup hosten oder Getränke-Sponsor werden wollt.Mitarbeitern von dem Meetup erzählen und fragen, wer mitmachen möchte (zählt selbstverständlich als Arbeitszeit)Auf dem Meetup mit möglichst vielen Menschen reden und mit dem Satz beginnen: „Hi, was treibt dich nach einem langen Arbeitstag hierher?“Kontaktdaten austauschen und auf LinkedIn verbinden


Fazit

Viele unserer Klienten buchen uns für Workshops, mit dem Ziel, zukünftige Trends zu erkennen, junge Zielgruppen anzusprechen und Technologie sinnvoll einzusetzen. Was oft danach passiert, ist, dass kleine Teillösungen, wie oben beschrieben, sofort getestet und bewertet werden. Reden ist gut, machen ist immer besser.


Innovation ist kein Denksport. Innovation ist Handwerk.


Viel Erfolg bei der Umsetzung.

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